Weiden i.d. Oberpfalz
Vom 30. Juni bis 17. August zieht es Das Mobile Atelier nach Weiden in der Oberpfalz. Die Stadt besticht durch seine malerische Altstadt mit historischem Rathaus und einem lebendigen Marktplatz. Beides liegt nur ein paar Schritte vom DenkMax entfernt. Das Stadtlabor, das seit 2022 als Raum für Innovation und Kreativität schafft, verwandelt sich in ein Atelier auf Zeit. Das DenkMax ist wie geschaffen für eine Nutzung als Atelier: ein großer Raum mit vielen Fenstern, die viel Licht ins Innere lassen. Perfekt für den Sommer sind die Arkaden, die das Atelier um einen überdachten Platz im Freien ergänzen. An künstlerischer Inspiration mangelt es in Weiden keinesfalls: Weiden blickt auf eine reiche Tradition als Standort der Porzellan- und Textilproduktion zurück, der Komponist Max Reger prägt durch das nach ihm benannte Festival musikalisch die Stadt in der Oberpfalz. Tradition, Handwerk und Musik sind jedenfalls vielversprechende Anknüpfungspunkte für unsere Künstlerin des Mobilen Ateliers.
Coline Eberhard
Coline Eberhard, geboren 1987, ist Skizzenbuchautorin, Reiseillustratorin und Pädagogin. Die in München lebende Künstlerin möchte mit ihre Kunst zu kreativen Reisen inspirieren. Ihre Arbeit, poetische Chroniken des täglichen Lebens, findet ihren Ausdruck in Reiseskizzenbüchern, Comics und Künstlerbüchern. Zu ihren bevorzugten Medien gehören Aquarell, schwarze Füllfederhalter, Collagen und natürliche Materialien wie selbst hergestellte Tinte auf Pflanzenbasis. 2023 veröffentlichte sie ihr erstes Reisebuch, Autogares, und wurde eingeladen, es in Deutschland (Comic-Salon, Erlangen) und in der Schweiz (Fumetto, Luzern) vorzustellen. Im Jahr 2024 wurde sie für einen Künstleraufenthalt in La Maison Forte im Südwesten Frankreichs ausgewählt. Die Ergebnisse dieses Aufenthalts, darunter Skizzenbücher und andere Zeichnungen, die von der okzitanischen Sprache inspiriert sind, wurden in ihrer ersten Einzelausstellung in Limoges, Frankreich, vom gezeigt. 2025 wurde sie zu einem einmonatigen Aufenthalt in Istanbul, Lycée Saint-Joseph, eingeladen, wo sie mit Schülern an dem Konzept der Kultur-Skizzenbücher arbeitete.
Fragen an…
Coline Eberhardt zum Mobilen Atelier in weiden i.d. oberpfalz
Inwiefern nahm Weiden i.d. Oberpfalz Einuss auf deine künstlerische Arbeit oder anders gefragt: Was hat dich inspiriert?
Mich inspirieren viele kleine Details, was macht einen Ort aus, vom Stadtmobiliar bis zu den Menschen und ihren Gewohnheiten, was sie sagen, was sie mir empfehlen. Mir wird immer mehr bewusst, dass das, was ich tue, mit dem Ort zusammenhängt, an dem ich mich befinde. Das ist ganz offensichtlich: In einem Reisetagebuch zeichne ich das, was ich sehe, in dem Moment, in dem ich es sehe. Es ist also eine gemeinsame Arbeit, eine Begegnung zwischen einem Ort und mir. Was in Weiden entstanden ist, hätte ich nirgendwo anders tun können, es ist ein Porträt von Weiden in Sommer 2025.
Was begeistert dich am Beruf der Künstlerin?
Es gab einen Moment während meines Aufenthalts, in dem ich wirklich gespürt habe, was diesen Beruf so besonders macht. Eine Rentnerin, die ich einige Tage zuvor kennengelernt hatte, nahm mich mit auf einen Roadtrip zu Orten, die mir gefallen könnten. Und so standen wir beide im ehemaligen Sperrgebiet an der tschechisch-deutschen Grenze, umgeben von Kühen und Wäldern, und besichtigten die Spuren eines Dorfes, das in den 1950er Jahren zerstört worden war. Das war wirklich etwas ganz Einzigartiges. Für mich bedeutet dieser Beruf, hartnäckig den Dingen nachzugehen, die mich inspirieren. So einen Tag konnte ich erleben, weil ich Künstlerin bin. Und dafür bin ich wirklich dankbar. Wenn ich für mich zeichne, kann es auch etwas in mir selbst Abgeschlossenes sein. Aber Künstlerin als Beruf ist dann eine Eröffnung ans Publikum und es begeistert mich, die Liebe zur Kunst – machen und erleben – weiterzugeben.
Welche Arbeiten sind während deines Aufenthaltes bei Das Mobile Atelier entstanden?
Während meines Aufenthaltes ist ein Reisen-Skizzenbuch aus zwei Teilen entstanden. Die beiden Bücher zusammen sind knapp unter 200 Seiten, bestehend aus Zeichnungen, Collagen und Texten (Teil 1: 120 Seiten; Teil 2: 78 Seiten). Davon habe ich zwei Fanzines für die Finissage gefertigt : „Beitrag zur Ortskunde: Lokale in Weiden“, eine Sammlung von Zeichnungen in Cafés und Bars ; „Mit dem Radl am Waldnaabtal“, die Erzählung eines Sommertages. Parallel dazu sind andere kleine reflexive Texte entstanden sowie ein Comic-Entwurf und ein Künstlerbuch, das von den Bäumen der Stadt inspiriert ist.
Anmerkung: Das Buch “Weiden zeichnet”, das eine gekürzte Version der beiden Reisen-Skizzenbücher darstellt, ist für 14 Euro in der Regionalbibliothek, in der Tourist-Information im Alten Rathaus, bei Geschenke & Haushaltswaren Sonna sowie in den Buchhandlungen Thalia und Rupprecht in Weiden erhältlich.