Geigenbaumuseum Mittenwald
Das Geigenbaumuseum Mittenwald verwandelt sich vom 23. Mai bis 13. Juli in ein Atelier und einen kreativen Raum der Begegnung, des Austauschs und des partizipativen und kollektiven künstlerischen Schaffens. Der renommierte, in Rotterdam und Köln tätige (Siebdruck-)Künstler Stefan Hoffmann verwandelt einen Teil des Museums in ein Kunstatelier, das während seines Aufenthalts immer mehr zu einer (Kunst)Ausstellung wird. Der auf vertikalen Siebdruck spezialisierte Künstler wird sich im Geigenbaumuseum mit vielfältigen Interventionen innerhalb des Museums den zahlreichen Facetten des Mittenwalder Geigenbaus widmen. Das Geigenbaumuseum Mittenwald zeigt seit seiner Gründung 1930 das Geigenbauhandwerk und seine mittlerweile über dreihundertjährige Entwicklung, verknüpft mit der Geschichte des Ortes. Seit 1960 ist es in einem der schönsten und ältesten Häuser im Zentrum von Mittenwald untergebracht. Der Schwerpunkt der hochwertigen und umfangreichen Instrumentensammlung liegt auf dem barocken Mittenwalder Geigenbau, präsentiert werden aber auch das 19. und 20. Jahrhundert bis zu den Werkstätten der Gegenwart. Hör- und Riechproben, historische Filme zum Thema Geigenbau sowie die historische Schauwerkstatt machen den Besuch abwechslungsreich. Die Räume, die sonst allein der Geschichte des Geigenbaus in Mittenwald vorbehalten sind, werden nun erstmals zu einem Ort der Kunstproduktion.
Ein umfangreiche und kostenfreie Begleitprogramm mit Gesprächen, Workshops zum Siebdruck und Begegnungen mit dem Künstler richtet sich an Einheimische, Gäste, Schulen und natürlich Mitglieder des BBK Bayern. Die im Geigenbaumuseum entstandenen Kunstwerke werden im Rahmen einer Sonderausstellung vom 11.7 bis zum bis zum 9.11.2025 präsentiert.
“Das Geigenbaumuseum blickt auf eine erfolgreiche und produktive Zusammenarbeit mit dem Künstler Stefan Hoffmann im Rahmen des Mobilen Ateliers zurück: Zu erleben, in welch dynamischen Prozessen zeitgenössische Kunst entsteht, gedeiht und wächst, war für die vielen Besucher:innen des Museums eine unglaublich tolle und bereichernde Erfahrung und für mich als Museumsleiter – von den vielen und noch gänzlich freien Ideen des Künstlers der Anfangsphase über die in Gesprächen und Gedanken entwickelte thematische Fixierung auf das „Verzeichnis der Hausarbeiter“ bis hin zur konkreten Ausgestaltung des handwerklichen Arbeitsprozesses der Siebdruckerei und schließlich der fertigen Ausstellung zu den Mittenwalder Hausarbeiter:innen. Sich der Prozesshaftigkeit des Gesamtkunstwerks bewusst zu sein und diese in der musealen Vermittlungsarbeit den Besucher:innen vor Augen zu führen, ist zentral für das Verständnis der künstlerischen Praxis Stefan Hoffmanns und der gelungenen Sonderausstellung. Die Einladung des Mobilen Ateliers in das Geigenbaumuseum zeigte eindrucksvoll, welchen Mehrwert eine solche Kooperation für museale Einrichtungen entfalten kann. Museen sind nicht nur Orte der Bewahrung und Präsentation von Kulturgut, sondern zunehmend auch Foren des Diskurses, der Teilhabe und der kreativen Auseinandersetzung mit Geschichte, Handwerk und Gesellschaft. Genau hier setzt Das Mobile Atelier an: Es schafft eine experimentelle Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis, institutioneller Sammlungsarbeit und öffentlicher Vermittlung. Das bunte, vielfältige Rahmenprogramm, das aufgrund des enormen persönlichen Engagements des Künstlers unterschiedliche Zielgruppen adressierte, lockte Besucher:innen von nah und fern und verwandelte das Museum tatsächlich in einen gelebten Raum des Austauschs, der Inspiration und Gemeinschaft. Im Geigenbaumuseum Mittenwald stand das traditionsreiche Geigenbau-Handwerk im Mittelpunkt. Durch die Präsenz des Ateliers konnten Besucher:innen erleben, wie Stefan Hoffmann durch das Medium der Bildenden Kunst diese Handwerkskultur refektierte, transformierte undinnerhalb der bestehenden Dauerausstellung in neue Kontexte stellte. Das Museum wurde durch die Arbeit von Stefan Hoffmann um spannende Perspektiven erweitert: Anstatt eine fertige und tendenziell statische Sonderausstellung zu präsentierten, wurde das Museum während der Zeit des Mobilen Ateliers zu einem dynamischen Resonanzraum. Die komplexen Entstehungsprozesse der Ausstellung waren während des gesamten Zeitraums sicht- und spürbar, historische Objekte und Themen wurden neu verhandelt, präsentiert und ermöglichten für Besucher:innen, Mitarbeitenden und Künstler vielfältige Möglichkeiten des Austauschs.”
Dr. Reinhard Nießner, Direktor des Geigenbaumuseums Mittenwald
„Das Mobile Atelier in Mittenwald ermöglichte den direkten Kontakt zu kultureller Bildung vor Ort, im bekannten schulischen Kontext, in der Schule! Der niedrigschwellige Zugang zu Kunst und kreativen Ausdrucksformen begeisterte unsere teilnehmenden Klassen im Grund- und Mittelschulalter. Es leistete einen nachhaltigen Beitrag zur kulturellen Entwicklung vor Ort, indem die flexible Umsetzung mit dem Künstler und die Kooperation mit dem Geigenbaumuseum eine einzigartige Bühne für Begegnung und Selbstwirksamkeit ermöglichte.“
Anja Zwerger, Rektorin Karwendel Grund- und Mittelschule Mittenwald
Stefan Hoffmann
Der niederländisch-deutsche Künstler Stefan Hoffmann entwickelt hierfür ein ortsspezifisches Projekt mit vertikalem Siebdruck direkt auf Wänden und Glasfronten – thematisch steht dabei die Geige im Mittelpunkt. Inspirieren lässt er sich von lokalem Bildmaterial und ergänzt dies mit relevanten Motiven aus weiterführenden Recherchen sowie dem direkten Austausch mit den Geigenbauer:innen, die noch heute in Mittenwald aktiv sind. In den vergangenen 15 Jahren hat Stefan Hoffmann zahlreiche Projekte in Europa, Nordamerika und Asien umgesetzt. Nach seinem Studium der Bildenden Kunst an der Artez Akademie in Arnhem (Niederlande) und der Jan van Eyck Akademie in Maastricht (Niederlande) arbeitete er mit Institutionen wie dem Andy Warhol Museum, dem Museum of Contemporary Art Toronto (MOCA), der Kunsthal Rotterdam und dem Museum für Kunst, Architektur und Design (Marta Herford) zusammen. Für seine künstlerische Arbeit wählt er den Siebdruck auf Glas. Das besitzt für ihn etwas magisches.Nichts sei flüchtiger als dieser hauchdünne Farbfilm, den er anbringt. Nichts scheine unvergänglicher, als die in die Wand aufgenommene Farbe. Es gibt keine Zwischenschicht, keinen Abstand. Diese Direktheit lässt die künstlerische Arbeit mit dem Ort verschmelzen, mit dem hier und jetzt. Stefan Hoffmann führt seine Projekte führe nie in der abgeschlossen Welt des Atelier oder der Werkstatt aus, sondern immer in Mitten der Öffentlichkeit.
Fragen an…
Stefan Hoffmann zum Mobilen Atelier im geigenbaumuseum mittenwald
Was ist das Besondere für dich an der Arbeit bei Das Mobile Atelier?
Einem Publikum zu begegnen, was häufig gar keine besondere Beziehung zur Kunst hat und auch gar kein besonders Interesse. Dieses Publikum ein Stück auf dem Schaffensweg mitzunehmen, ihr Interesse zu wecken, zuzuhören, sich überraschen zu lassen, ganz andere Anregungen zu bekommen, ist wirklich etwas ganz besonderes!
Inwiefern nahm das Geigenbaumuseum und Mittenwald Einfluss auf deine künstlerische Arbeit oder anders gefragt: Was hat dich inspiriert?
Vor allem das Spannungsverhältnis von Massenproduktion und traditionellem Handwerk hat mich inspiriert und um dieses komplexe widerspruchsvolle Verhältnis geht es auch in meiner Installation ‚Verzeichnis der Hausarbeiter‘.
Welche Arbeiten sind während deines Aufenthaltes bei Das Mobile Atelier entstanden?
Eine Sonderausstellung mit Wandsiebdruck, Siebdruck auf Glas- und Acryl-Vitrinen, eigene Arbeiten auf Papier. Große Serien von Siebdrucken mit den Workshop-Teilnehmer:innen.
Wie würdest du deinen Aufenthalt bei Das Mobile Atelier in drei Wörtern beschreiben?
Ein außergewöhnliches Erlebnis!
Was begeistert dich am Beruf des Künstlers?
Das Eintauchen in immer neue Welten.
Was ist Deine persönliche Erfahrung oder Vision, was die gesellschaftliche Relevanz von Kunsterfahrung betrifft?
Kunst ist ein Freiraum jenseits von aller konkreten Nützlichkeit.