Miesbach
Miesbach liegt im Herzen des bayerischen Oberlands, umgeben von sanften Hügeln und in unmittelbarer Nähe zum Alpenrand. Der Ort ist bekannt für seine lebendige Tradition, die bis heute im Alltag, in Festen und im Vereinsleben verankert ist. Auf der Festwiese der Stadt Miesbach findet vom 15. September bis 30. Oktober das mobile Ateliermodul für zwei Monate ein schönes Zuhause, dient als Arbeitsraum der Bildhauerin Julia Eichler und wird für die Miesbacher:innen zum lebendigen Treffpunkt. In direkter Nachbarschaft steht der Waitzinger Keller, ein renommiertes Kulturzentrum mit vielseitigem Programm. Der Waitzinger Keller hat eine lange Geschichte: Wurde er im 19. Jh. zunächst als Lagerraum für das Kurfürstliche Bräuhaus Miesbach erbaut, verwandelten die Brauerei-Erben ihn Anfang des 20. Jh. bereits in einen Saal mit großer Bühne für Aufführungen von Märchenopern, Volkstheater und Ballettaufführungen. Einen Nachfahre der Waitzinger-Dynastie zog es zur bildenden Kunst, nämlich Christian Schad. Er war ein Vertreter der Neuen Sachlichkeit und schuf zahlreiche Zeichnungen, Grafiken und Porträts – dieser Standort des Mobilen Ateliers verweist also auf eine lange künstlerische Tradition. Die in Berlin geborene Künstlerin bringt nach Miesbach ganz eigene künstlerischerImpulse und nimmt zugleich die Traditionen und Begegnungen des bayerischen Oberlands in ihre Arbeiten auf. Besonders die vielfältige Landschaft aus Alpen, voralpinem Hügelland, dem Tegernsee, Wäldern, Mooren und Almwiesen sollen sich in ihren kreativen Schaffensprozessen widerspiegeln.
„Von der ersten Stunde an hat unser Waitzinger Keller Team eine große nähe zu Julia Eichler empfunden und es ist großartig wie viel wir voneinander lernen können. Das empfinden wohl auch viele Bewohner:innen des Landkreises so, die an die Ateliertüre klopfen, das Gespräch suchen, künstlerischen Rat einholen oder einfach Mal ein paar Worte wechseln möchten.“
Isabella Korsisch, Kulturamt Miesbach und Leitung des Waitzinger KellersJulia Eichler
Julia Eichler, geboren 1983 in Berlin, ist freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt Bildhauerei. Sie studierte von 2003 bis 2007 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und absolvierte anschließend ein Studium der Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, das sie 2017 mit dem Diplom abschloss. 2019 wurde sie Meisterschülerin bei Prof. Bruno Raetsch. Seit 2017 arbeitet sie freiberuflich und realisiert ihre künstlerischen Projekte in verschiedenen Kontexten. Ihre Arbeiten wurden mit zahlreichen Stipendien und Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet, u.a. durch Aufenthalte in Worpswede, Mazedonien, den Niederlanden sowie mehrfach durch Förderungen des Landes Sachsen-Anhalt und der Stiftung Kunstfonds. Julia Eichler lebt und arbeitet in Halle (Saale).
Fragen an…
Julia Eichler zum Mobilen Atelier in Miesbach
Wie würdest du deinen Aufenthalt bei Das Mobile Atelier in drei Wörtern beschreiben?
Kunstcampinggehege.
Was ist das Besondere für dich an der Arbeit bei Das Mobile Atelier?
Inmitten einer Stadt, auf der Hundewiese, in einem plötzlich gelandeten Fremdkörper, Zeit zu verbringen und so einem Ort auf sehr direkte Weise näherzukommen.
Inwiefern nahm Miesbach Einfluss auf deine künstlerische Arbeit oder anders gefragt: Was hat dich inspiriert?
Mit meinem geliehenen E-Bike konnte ich mir jeden Winkel Miesbachs und auch die ferne Umgebung erschließen. Mit intensivem Blick auf die Architektur, Stadt/Dorf-Struktur und damit auf das Leben und Zusammenleben. Immer auch auf der Suche nach interessanten Oberflächen, auf der sich Zeit eingeschrieben hat. Die entstanden Arbeiten haben sich aus dem Vorgefundenen entwickelt.
Was begeistert dich am Beruf der Künstlerin?
Der Freiraum der Möglichkeiten und Utopien. Die Möglichkeit, dass kein Tag dem anderen gleicht und die Vielzahl an unterschiedlichsten Tätigkeiten. Die Möglichkeit, sich mit selbstgewählten Themen zu beschäftigen. Die Möglichkeit, bei Aufenthaltsstipendien in völlig andere Lebensrealitäten einzutauchen. In der Hoffnung, davon etwas weitergeben zu können.