Künstler:innen im Portrait: Andrea Ziegler
Die aus Weiden i.d.OPf stammende Künstlerin Andrea Ziegler zog es nach Jahren in Norddeutschland für Das Mobile Atelier wieder nach Bayern, nämlich nach Herzogenaurach. Hier erzählt sie von ihrer Residency in Mittelfranken und von ihren besonderen künstlerischen Arbeiten, die sind meist mit der Nähmaschine entwickelt.
Andrea Ziegler in ihrem Atelier auf Zeit bei Das Mobile Atelier in Herzogenaurach. © Oliver Reinhardt/Olivergrafie.
Andrea Ziegler wurde in Weiden i.d.OPf. geboren, studierte an der HAW Hamburg und arbeitet seit 2020 als bildende Künstlerin. Das Aufwachsen direkt an der tschechischen Grenze prägte ihre künstlerische Haltung: Fragen nach Grenzen und Globalisierung, Zugehörigkeit und Identität bilden einen wiederkehrenden Ausgangspunkt. Seit 2009 arbeitet sie ausschließlich textil und nutzt die Nähmaschine als Zeicheninstrument. Freihändiges Sticken auf Stoff macht Vorder- und Rückseite gleichermaßen sichtbar, jede Arbeit ist automatisch zweiseitig angelegt und eröffnet so mindestens eine zweite Perspektive.
Webseite und Newsletter: www.andreaziegler.net
Instagram: andrea_g_ziegler
“Herzogenaurach hat die Hauptrolle gespielt, da ich dort wieder eine „künstlerische Ortsforschung“ gemacht habe. Ich habe versucht, mit so vielen Bewohner*innen wie möglich zu sprechen, um daraus und aus meinen Beobachtungen subjektive Kartographien zu fertigen.”
Andrea Ziegler, Herzogenaurach, 2026.
Was hat dich hier in Herzogenaurach überrascht, künstlerisch oder persönlich?
Man kennt natürlich „Herzogenaurach“ als Sitz von Adidas, Puma und teilweise auch Schaeffler, ich war aber überrascht, wie sehr diese drei Konzerne den Ort prägen und auch in der Form gestaltet haben. So waren auch diese drei Konzerne sehr oft Gesprächsthema mit den Bewohner*innen. Ein bisschen war es auch für mich ein Crashkurs in Wirtschaft. Es gibt wohl wenige Orte, wo sich Fragen zu Globalisierung, Zukunft von Arbeit und insgesamt die wirtschaftliche Entwicklung so konzentrieren. Das fließt dann auch in die zu Herzogenaurach entstehende Serie ein.
Haben bestimmte Materialien, Orte oder Begegnungen deine künstlerischen Entscheidungen beeinflusst?
Vor allem die Begegnungen mit den Bewohner:innen haben meine Entscheidungen beeinflusst. Viele Geschichten, Hinweise und unterschiedliche Perspektiven auf den Ort sind direkt in die Arbeiten eingeflossen. Auch Orte wie die großen Firmengelände, Wohngebiete oder der Fluss haben meine Wahrnehmung der Stadt verändert und damit die Bildsprache der Serie geprägt.
Andrea Ziegler, Bewegungsprofil 0205, Herzogenaurach, 2026.
Gibt es eine Arbeit oder einen Moment, der für dich diesen Aufenthalt besonders gut zusammenfasst?
Ein besonderer Moment war, als Besucher:innen begannen, meine Karten zu ergänzen oder zu korrigieren, teilweise ganz freimütig. Dadurch wurde deutlich, dass jeder Ort aus vielen unterschiedlichen Erinnerungen und Perspektiven besteht. Sonst läuft dieser Arbeitsprozess eher abgeschieden im Atelier statt.
Andrea Ziegler, Geist des sozialen Abstiegs, 2026.
Das Mobile Atelier lebt vom Austausch, wie hast du die Begegnungen mit Besucher:innen erlebt?
Der Austausch mit den Menschen vor Ort war sehr einfach und offen. Es gab überraschend großes Interesse und ich würde sagen, dass die Herzogenauracher:innen auch sehr neugierig im positiven Sinn sind. Insgesamt würde ich sagen, dass dort ein großes Interesse für Kunst besteht.
Wie verändert sich deine künstlerische Praxis, wenn das Publikum aktiv eingebunden ist?
Da der Entwurfsprozess im Atelier offen sichtbar war, haben die Besucher:innen sich auch von selbst „eingemischt“. Normalerweise arbeite ich nicht so offen, eher allein im Atelier. Ich fand es sehr spannend, dass Besucher:innen mich beispielsweise berichtigt haben bei vermeintlich „falschen“ Wegen oder was die Farbauswahl für die Herzogenaurach-Serie betrifft.
Andrea Ziegler, Bewegungsprofil 0505, Herzogenaurach, 2026.
Was nimmst du persönlich und künstlerisch aus deiner Zeit beim Mobilen Atelier mit?
Persönlich nehme ich viele nette, auch anhaltende Begegnungen mit. Vor der Residency hatte ich eine längere Arbeitsphase im Atelier, so war das Das Mobile Atelier fast schon so etwas wie eine Resozialisierung für mich. Künstlerisch wage ich mich jetzt mehr zur Abstraktion von Kartographien. Im Dezember wird dann auch die Ausstellung dazu im Stadtmuseum Herzogenaurach eröffnet.
Was wirst du vermissen?
Ich hätte das am Anfang nicht gedacht, aber das regelmäßig offene Atelier und der dadurch ständig stattfindende Austausch haben sich als sehr produktiv erwiesen. Man arbeitet ja meistens als Künstlerin allein, deshalb werde ich diesen Austausch mit am meisten vermissen.
Andrea Ziegler, Spulen, 2026.