Das Mobile Atelier zu Gast in der Holzmühle: Melanie Gandyra im Interview

DasMobile Atelier gastierte erneut bei KUKUK in der Holzmühle in Remlingen. Die Initiative der Künstlerin Sara Förster lud erneut zu einem intensiven Austausch über künstlerische Forschung, Naturerfahrung und gemeinsames Entdecken. Dieses Mal verbrachte die Künstlerin Melanie Gandyra zwei Monate dort. Wir haben sie zu ihrem Aufenthalt, ihren Erfahrungen und Eindrücken interviewt.

 

Die in Innsbruck lebende Künstlerin und Illustratorin Melanie Gandyra verwebt in ihrer künstlerischen Praxis Narration und Abstraktion, um auf wütendes Wetter, klimatische Kipppunkte und deren ökologische wie gesellschaftliche Folgen aufmerksam zu machen. Ihre Arbeiten sind eine Hommage an die Verletzlichkeit der Natur, die sich in vielschichtigen Kompositionen und Installationen zeigen. Sie hinterfragt das vertraute Narrativ über „Mutter Erde“ und motiviert zu einer sensiblen, eindringlichen Auseinandersetzung mit unserer Verantwortung gegenüber einer sich wandelnden Umwelt. Ihre Praxis zeichnet sich durch eine sensible Annäherung an organische Strukturen, Materialien und Prozesse aus. Dabei entstehen Arbeiten, die Beobachtung, Transformation und oft auch Vergänglichkeit thematisieren.


Bild: Melanie Gandyra.

Wie hat sich deine Arbeit während des Aufenthalts verändert, gab es einen Moment, der besonders prägend war?

Durch die immense Ruhe konnte ich sehr konzentriert und mit Zeit neue Materialien und Arbeitsweisen für meine Praxis ausprobieren, erarbeiten und etablieren. Das großzügige Atelier erlaubte mir mich räumlich, und damit auch geistig auszubreiten und in einer Weise zu schaffen, die mir in meinem Atelier nicht möglich ist. Für mich war die Erkenntnis, dass ich einfach sein und arbeiten kann ein enormes Privileg, welches sich in den entstandenen Arbeiten widerspiegelt.

Gibt es eine Arbeit oder einen Moment, der für dich diesen Aufenthalt besonders gut zusammenfasst?

Die Serie „The Search Of Beauty“ die zu Beginn des Aufenthaltes entstanden ist und eine Dokumentation der Pflanzen der Holzmühle ausmacht ist für mich eine Arbeit, die stellvertretend für das Mobile Atelier aber auch den Ort Holzmühle steht, da sie zeigt, wie viel Raum für Beobachtung und Prozess in diesem Programm ist.

Was hat dich hier in der Holzmühle überrascht, künstlerisch oder persönlich?

Wie persönlich und liebenswert ich in das Leben in der Holzmühle eingebunden wurde und damit sehr schnell in den Alltag finden konnte, was mir normal schwerer fällt.

Inwiefern unterscheidet sich das Arbeiten im ländlichen Raum von deiner sonstigen Praxis?

Für mich persönlich vor allem durch die Ruhe die einen enormen Fokus schafft aber auch das Interesse von Besucher*innen, die sich über Kunstschaffende in ihrer unmittelbaren Nähe sehr gefreut haben.

Das Mobile Atelier lebt vom Austausch, wie hast du die Begegnungen mit Besucher:innen erlebt?

Es waren sehr wertschätzende Begegnungen und viele Fragen, die ich in ihrer Beantwortung immer wieder anpassen musste. Das spannende an dem Programm ist, dass man mit ganz verschiedenen Menschen über die eigene Praxis redet und das Verständnis oder die Nähe zur Kunst in jedem Gespräch unterschiedlich war. Das war herausfordernd aber auch sehr wertvoll, wenn man merkt, dass jemand sich durch die eigene Arbeit nun andere Fragen stellt und eine neue Tür geöffnet wurde.

Wie verändert sich deine künstlerische Praxis, wenn das Publikum aktiv eingebunden ist?

Ich glaube vor allem dahingehend, dass ich mir immer wieder darüber Gedanken machen musste, wie ich in Worte fasse, mit was ich mich gerade beschäftige. Normalerweise kommt das Sprechen über Projekte und Arbeiten nachdem sie entstanden sind, im Mobilen Atelier war durch den Austausch im Prozess eine ständige Kommunikation vorhanden, die mir eine Evaluation im Entstehungsprozess ermöglichte. Das festigte meine inhaltliche Ausrichtung und half mir mich selber mehr zu hinterfragen.

Was nimmst du persönlich und künstlerisch aus deiner Zeit beim Mobilen Atelier mit?

Durch das Mobile Atelier war ich in der Lage Ideen und Vorhaben umzusetzen, die sich seit langer Zeit angestaut haben. Gerne will ich versuchen diese fokussierten Momente mehr zu etablieren, in denen all die vielen anderen Aufgaben ganz entschieden zur Seite gelegt werden, ohne das Panik und Stress entsteht. Der Kampf um Produktivität und das Rennen halten einen so oft vom wirklichen Handeln ab. Das Wissen, wie viel entstehen kann, wenn man nichts muss, will ich mir fest mit in meine Zeit nach dem Mobilen Atelier nehmen.

Wie würdest du deinen Aufenthalt bei Das Mobile Atelier in drei Wörtern beschreiben?

Fokus, Freiraum und Kuchen.

Was wirst du vermissen?

Fokus, Freiraum und Kuchen, aber auch das Rauschen des Mühlrads, Mittagessen in Gemeinschaft und das Wissen, dass es gerade einfach genug ist zu sein.

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