Fachbeitrag: Kunst am Bau im Staatlichen Hochbau in Bayern

Zusammenarbeit für eine zukunftsfähige Kunst am Bau in Bayern Der vorliegende “Fachliche Beitrag - Kunst am Bau im staatlichen Hochbau in Bayern” ist im Auftrag einer Fraktionsinitiative der Freien Wähler an den BBK Bayern entstanden. Vorangegangen war ihr ein Beschluss des Bayerischen Landtags vom 05.05.2020 betreffend „Kunst am Bau: Kunstobjekte erhalten – Empfehlungen des ORH umsetzen“. Formal beauftragte das Bayerische Bauministerium den BBK Bayern im Jahr 2025 mit einem fachlichen Beitrag. Dieser wird in eine neue Leitlinie für Kunst- am-Bau-Projekte1 der staatlichen Bauämter in Bayern einfließen. KaB ist in Bayern ein anerkanntes und gut funktionierendes Modell, das einen wesentlichen Beitrag zur Identitäts- und Profilbildung von Bauaufgaben leistet und die Nutzerzufriedenheit steigert. Anerkannte Handreichungen und Verwaltungsvorschriften auf Bundesebene bilden seit langem die praktische Grundlage für einen weitgehenden Konsens bei der Durchführung von KaB-Projekten. Aus diesem Grund werden die üblichen Regularien zu den Abläufen im folgenden Text als bekannt vorausgesetzt und nur erwähnt, wenn darauf Bezug genommen wird.

Trotz dieser Stärken und der hohen Qualität vieler realisierter KaB-Projekte zeigt sich in der Praxis, dass einige Prozesse – von der Auslobung bis zur langfristigen Pflege –Verbesserungspotential aufweisen. Diese strukturellen Herausforderungen zu beheben, ist das zentrale Anliegen dieser Empfehlungen.

Bisweilen haben die bearbeitenden Mitarbeiter in den Bauämtern wenig Erfahrung bei der Auslegung der kunstbezogenen Vergabeprozesse. Die bestehenden Empfehlungen für KaB sollten im Sinne der künstlerischen Anforderungen interpretiert werden. Die im Bauwesen unübliche Rolle von freiberuflichen Künstlern als planerisch und gleichzeitig ausführende Tätige führt zu Besonderheiten im Vergabe- und Realisationsprozess.

In vielen Regionen stehen die künstlerischen Berufsverbände der Bauverwaltung mit Beratern zur Verfügung, und es gibt eine bewährte Tradition des Austausches. Der fachliche Input durch aktive Künstler schon bei der Konzeption einer Auslobung, begünstigt hochwertige zeitgenössische Kunst auf optimale Weise. Die folgenden Empfehlungen dienen dem Ziel, die Prozesse zu verbessern, zu vereinfachen und die beteiligten Personen zu professionalisieren. Die Intention des fachlichen Beitrags ist mehr Klarheit im Vergabeprozess zu erreichen und eine Orientierung an den Bedürfnissen der Entstehung von zeitgenössischer Kunst zu geben. Dazu zählt insbesondere die Einrichtung einer zentralen Fachstelle für KaB. Eine solche Stelle könnte als Kompetenzzentrum für Vergabeverfahren und die spätere Betreuung von KaB fungieren sowie den dringend notwendigen Austausch zwischen Künstlern und der Bauverwaltung sicherstellen. Gleichzeitig kann durch die Fachstelle die öffentliche Sichtbarkeit der Verfahren – von der Ausschreibung über die Vergabe bis zur langfristigen Dokumentation in einer Datenbank – gewährleistet werden. So kann Transparenz geschaffen und der kulturelle Wert von KaB der Öffentlichkeit besser zugänglich gemacht werden.

Diese Empfehlungen sollen allen Beteiligten – von der Bauverwaltung über die Nutzer bis zu den Künstlern – als Orientierung dienen, um die KaB in Bayern nachhaltiger zu gestalten und ihre baukulturelle Bedeutung beständig voll entfalten zu können. Eine Basis ist mit der bereits vorhandenen Praxis bei KaB gegeben. Es bedarf lediglich weniger gezielter Verbesserungen, um das ganze Potenzial auszuschöpfen zu können. Das Land Bayern insgesamt kann durch eine starke Position bezüglich öffentlicher Kunst seinem Anspruch als Kulturstaat noch besser gerecht werden und bundesweit als Vorbild dienen.

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