Chez Christina
Oberpfalz - Veranstaltung - Verbindungslinien
Raumansicht Chez Christina. Foto: Christina Kirchinger.
Ausstellungsreihe im Atelier Christina Kirchinger mit Artist Talk zur Vernissage
Nina Aeberhard, 5.–6. Juni 2026
Marile Holzner, 12.–13. Juni 2026
Janine Gerber, 19.–20. Juni 2026
Freitag: 19:00 Uhr (Vernissage mit Artist Talk) / Samstag: 14:00–18:00 Uhr
CHEZ CHRISTINA / Atelier Christina Kirchinger, Obermünsterplatz 3, 93047 Regensburg
Online: www.christinakirchinger.com/chezchristina
INSTAGRAM @chezchristinaregensburg
CHEZ CHRISTINA
Ausstellungsort und -reihe im Juni in der Regensburger Altstadt mit den Künstlerinnen Nina Aeberhard, Marile Holzner und Janine Gerber
Autor:in Text: Christina Kirchinger
Chez Christina – das ist Französisch und heißt so viel wie „bei Christina, bei Christina zuhause“. Nicht ganz zuhause, doch in einem privaten Raum: im Atelier von Christina Kirchinger in Regensburg. Das Atelier wird für die ersten drei Wochenenden im Juni 2026 zum Ausstellungsraum. Dort zeigen die Künstlerinnen Nina Aeberhard (München), Janine Gerber (Lübeck) und Marile Holzner (Landshut) in kurzen Einzelausstellungen ihre Werke und geben mit einem Artist Talk zur Vernissage Einblick in ihr Denken. Die drei Künstlerinnen zeichnen sich durch ihre einzigartigen, poetisch feinsinnigen und in einer geistigen Tiefe verankerten Positionen aus. Sie laden ein, inne zu halten und zu reflektieren – und wiederzukommen um erneut über die Werke nachzudenken.
Nina Aeberhard, o.T., Silbergelatineabzug, 10 x 15 cm, 2025. Foto: Nina Aeberhard.
Nina Aeberhard (geb. 1986) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (Diplom 2018) und war von 2021 bis 2023 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Meisterschülerin bei Ricarda Roggan. Aeberhards Werk umspannt Fotografie und Objekt. Ihre Werke sensibilisieren die Wahrnehmung und fordern das fragende Denken heraus. Als in sich selbst materialisiertes Denken vereinen sie Gegensätzlichkeiten wie Gegebensein und Mitgedachtwerden. Ein Beispiel: In Griffen, die aus Glas gemacht sind, verbindet Aeberhard sich gegenseitig Ausschließendes zu Undenkbarem, das Erwartungshaltungen herausfordert. Ein Griff ist zum Anfassen gedacht, zum Öffnen oder Aufziehen. Doch ein Griff aus Glas ist fragil, zerbrechlich. Aus der resultierenden Frage nach dem Warum zeichnet sich ein eindringlicher Hinweis ab: Fragiles entzieht sich nicht zwangsläufig dem Zugriff, es verlangt womöglich ein bedachteres Anfassen.
Janine Gerber, Entlang der Fläche (1/3), Fine Art Print auf Hahnemühle Ultra Smooth auf MDF-Panel, 32 x 24 cm, 2021.
Janine Gerber (geb. 1974) studierte an der Akademie der Bildenden Künste München und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee bei Prof. Werner Liebmann und Prof. Katharina Grosse (Diplom 2006).Gerbers Werk umspannt Arbeiten mit Papier, auf Papier und andere Materialien wie Beton. In ihren Malereien spürt sie den Eigenschaften und Oberflächenbeschaffenheiten dieser Materialien nach. Mit einem haptisch anmutenden Farbauftrag verschafft Gerber dem Sichtbarkeit, was normalerweise als Untergrund dient und verdeckt wird: Feine überlagernde Farbhüllen heben reliefartige Formungen von Papieren hervor. Die Farbe gewinnt dabei selbst „physische Präsenz“, wie die Künstlerin schreibt. Körperhaftigkeit oder gar Körperlichkeit gewinnen auch Papierbahnen, wenn Gerber sie in den Raum hängt, einschneidet und einreißt. Diese Gesten schreiben sich in das Papier ein und zeugen von einer Verletzung im Sinne einer Untersuchung.
Marile Holzner, Nr. 3 aus o.T. (Lines along the center), Kugelschreiber auf Papier, 80 x 60 cm, 2024. Foto: Marile Holzner.
Marile Holzner (geb. 1983) studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München und war Meisterschülerin bei Prof. Karin Kneffel (Diplom 2017). Holzner schafft Zeichnungen auf Papier und reliefartige Objekte aus Rollenmaterialien wie Papier, Gummi oder Schaumstoff. In ihren Zeichnungen werden Handbewegungen, das Steuern und Loslassen sichtbar. Liniengebilde dehnen sich aus, schieben oder fächern sich auf und schwingen im Bildraum. Auch ihre Objekte sind gekennzeichnet von Schrägen und Schnitten, Lagerungen, Wicklungen und Reihungen. Die Materialien werden ihrem eigenen Gewicht ausgesetzt. Die Schwerkraft gestaltet die Objekte mit. Holzners Formen bewegen sich in beiden Medien zwischen Wiederholung und Differenz. In der Wiederholung wird der vermeintliche „Fehler“ zu einer stetigen Wandlung erhoben und – positiv konnotiert umgedeutet – zu einem Voranschreiten, das die Künstlerin aus einer Abweichung in der Fortentwicklung gewinnt.