Abir Kobeissi

Foto: Aymeric Lorthiois.

Atelierpreis

Ich bin Abir Kobeissi, eine libanesische multidisziplinäre Künstlerin mit einem Hintergrund in Innenarchitektur. Ich schloss 2011 mein Studium am Institute of Fine Arts and Architecture der Libanesischen Universität ab und absolvierte 2024 mein Studium an der AdBK München. In meiner künstlerischen Praxis untersuche ich, wie Wert, Autorschaft und Macht innerhalb soziopolitischer und ökonomischer Systeme konstruiert werden. Geboren und aufgewachsen in Beirut, ist meine Arbeit von den Krisen des Libanon geprägt, was die Wahl der Themen, Materialien und Medien beeinflusst.


Was bedeutet dein Atelier für dich?
Mein Atelier ist eine Erweiterung meines Gehirns in die materielle Welt. Es ist eine absolute Notwendigkeit und essenziell für meine Existenz. Es bietet einen Raum, der Teil der eigenen künstlerischen Identität wird und den man nirgendwo anders findet. Es ist wie der eigene Arbeitsstil, die Nationalität oder ein Haarschnitt: etwas völlig Einzigartiges und ein verlängerter Arm der eigenen Identität.

Wie würde es sich auf deine Kunst auswirken, kein Atelier haben zu können?
Es wäre so, als würde ein grundlegendes Element im Leben fehlen, wie das Reisen oder Leben ohne Pass oder Ausweis. Ein Atelier ist für Kunstschaffende schlichtweg existentiell. Ohne Atelier ist man nicht glücklich und man tut alles dafür, sich eines einzurichten. Selbst wenn man nur ein Notizbuch besitzt: In diesem Moment wird das Notizbuch zum Atelier.

Wie beeinflusst das Künstlerin-Sein, wie du dich durch die Welt bewegst?
Künstlerin-Sein bedeutet für mich, Details und Gefühle zu bemerken, die andere übersehen, und jeden Raum visuell zu scannen. Es bedeutet, ein scharfes visuelles Gedächtnis zu haben, Systeme zu dekonstruieren und sie zu entschlüsseln. Dieser Blick erfordert taktvollen Scharfsinn. Man fühlt sich dadurch manchmal völlig frei und ist in anderen Momenten extrem diszipliniert, fast wie beim Militär.

Was verlangt deine Arbeit dir körperlich oder emotional ab?
Sie verlangt absolute Ausdauer. Das Übertragen der Krisen meiner Heimat Libanon in Kunst ist emotional schwer. Gleichzeitig erfordert die Arbeit mit Glas, Keramik und Textilien echte körperliche Fitness und Konzentration, um die Produktion durchzustehen. Meine Kunst nimmt viel Energie ein, aber genau deshalb hat sie diese starke Präsenz.

Archetypes, ceramic installation, 2026. Foto: Abir Kobeissi.

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Nicola Kötterl