Gesprächsreihe des BBK Nürnberg Mittelfranken
21.05.2026 | 18:30–21:00 Uhr
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Veranstaltungsort ist die BBK Galerie VIEW (Eingang Ostermayr-Passage / Ecke Weikertsgässchen 4)
Der BBK Nürnberg Mittelfranken e.V. lädt zu einer dreiteiligen Gesprächsreihe mit der Künstlerin Anja Schoeller und wechselnden Gästen ein. Im Mittelpunkt steht ein offener Dialog über Kunst, ihre gesellschaftliche Rolle und ihre zukünftigen Perspektiven.
Bildlich gesprochen bewegt sich die Künstlerin und der Künstler der Gegenwart mit einem inneren Kompass durch die Kunstlandschaft – getragen von der Suche nach Orientierung und Sinn. Daraus entsteht ein dynamischer Austausch zwischen Natur, Raum und menschlicher Begegnung. Kann Kunst Zwischenräume füllen? Nach welchen Kriterien geschieht das – und welche neuen Möglichkeiten eröffnen sich daraus?
An drei Abenden stellt Anja Schoeller partizipative Kunstprojekte vor, die in Nürnberg entstanden sind – teils in Zusammenarbeit mit Institutionen sowie Künstlerinnen und Künstlern. Die Projekte stehen in der Tradition der „Sozialen Skulptur“ von Joseph Beuys. Dieses erweiterte Kunstverständnis begreift Gesellschaft selbst als gestaltbares Werk und lädt dazu ein, Gemeinwesen neu zu denken.
Im Zentrum der Gesprächsreihe stehen Fragen nach der inhaltlichen und formalen Zukunft der Kunst: Wie lassen sich bestehende Denkstrukturen in Kunst und Kultur aufbrechen? Wie kann Kunst weitergedacht werden?
Jeder Abend beginnt mit einem Impulsvortrag und mündet in eine offene Gesprächsrunde, in der das Publikum eingeladen ist, eigene Perspektiven und Erfahrungen einzubringen.
Der erste Abend am 16. April widmete sich dem Projekt „Trüffelsuche – Das Grüne Zimmer“. Regina Pemsl und Anja Schoeller, die seit 2007 in partizipativen Kontexten zusammenarbeiten und 2017 forum007_zukunftsagentinnen* gründeten, zeigten anhand eines gewachsenen, eingegrenzten Naturraums im Stadtteil St. Leonhard, wie Nachbarschaften zu aktiven Mitgestalterinnen von Begegnungsorten werden können. Hier wird Kunst zur Schnittstelle zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Akteurinnen und Akteuren sowie der Stadt – mit dem Ziel, Räume des Miteinanders zu öffnen.
Am zweiten Abend, dem 8. Mai, steht das Projekt „Graswurzeldialoge/Shengo-Quartiersrat“ im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Nina Metz und Terefe Fekadu entwickelte Anja Schoeller 2021 für das U1-Quartier in Nürnberg das Dialogformat „Shengo“ – amharisch für „Quartiersrat“. Elemente wie Redestab, mobile Hocker, Bäume und Graswurzeldialoge verbinden dabei fränkische und äthiopische kulturelle Praktiken und eröffnen neue Formen des Austauschs. Im Zentrum steht die Frage, ob Kommunikation selbst als künstlerischer Akt verstanden werden kann.
Den Abschluss am 21. Mai bildet das Projekt „Steppenkompass – Kompass Sebalder Steppe“. Dieses Beteiligungsdenkmal greift die historische Struktur der ehemaligen Sebalder Steppe in der west-östlichen Altstadt auf und verweist zugleich auf Zerstörung und Wiederaufbau Nürnbergs nach 1945. Anja Schoeller zieht hier ein Fazit zu Erinnerungskultur, partizipativen Prozessen und Kunst am Bau. Das Projekt, im Auftrag der Stadt Nürnberg realisiert, macht deutlich, dass kollektive Entwicklung Zeit braucht: Oft vergehen mehrere Jahre, bis aus einer Krise eine gemeinsame Vision entsteht. Dabei stellt sich die Frage, wie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ebenso wie die heutige Stadtgesellschaft diesen Ort wahrnehmen – was sie berührt, was zum Handeln anregt und welche künstlerischen Formen daraus erwachsen.
Hubert Klotzeck, „Pionierinnen der Steppe“